Feb 6, 2015 - Allgemein    No Comments

Wie schwerwiegende Entscheidungen treffen?

Entscheidungen treffen:

Entscheidungen treffen ist in der heutigen Zeit immer schwerer geworden, da die Komplexität der Welt und unser Anspruch an unser eigenes Leben massiv gestiegen ist. Selbstverwirklichung steht hoch im Kurs. Jeder möchte eine gutes Leben führen und „das Richtige“ tun. Gleichzeitig ist die Anzahl der Möglichkeiten exponentiell gestiegen. Gab Bewertung von Entscheidungenes zur Zeit unsere Eltern noch eine Hand voll bekannter Berufe, die sehr überschaubar waren, so gibt es heutzutage sage und schreibe an die 16.000 Studiengänge. Niemand hat mehr die Übersicht anhand dieser Komplexität. Nun ist gerade Klarheit und Motivation, das was den Menschen antreibt, dass er richtig Bock bekommt, Hoffnung fasst und sich dieses Hochgefühl in einem breit macht. Das Ziel beim Treffen einer Entscheidung sollte stets sein, sie so zu treffen, dass wir unseren Kindern davon erzählen können und die sagen: Mensch, geile Aktion! :P Dieser Ansatz des Radikal-bei-sich-Seins soll nicht in Richtung Egoismus abzielen, sondern jeden Menschen in seine Kraft und seine Energie versetzen, genau das zu tun, was er will. Seneca würde sagen „secundam naturam vivere“ – ein seiner Naturgemäßes Leben führen. Diesem Aspekt wollen wir uns nähern.

Dafür brauchen wir einige Tools, derer wir uns bedienen, die zur mehr Klarheit führen sollen, was ist und was werden soll und was nicht. Nicht alles Tools sind bei allen Entscheidungen sinnvoll, doch hier reden wir von nicht trivialen, weitreichenden Entscheidungen, die das Leben verändern. Je größer der Impact oder die Traction einer Entscheidung ist, desto umfassender und tiefer sollte evaluiert werden. Veränderung gehört zum Menschen. Es geht um eine ganzheitliche Betrachtung, da das Leben eines Menschen nur als Ganzes funktionierendes richtig cool ist. Hierfür bedienen wir uns folgender Tools:


PHASE I:  IST-SITUATION ERFAHREN UND AUFKLÄREN


1. Der Lebenshocker – Stabilität eines Menschen:

LebenshockerEin Hocker hat die Angewohnheit, dass er nur stehen kann, wenn er mehr als zwei Beine hat. Hocker mit einem Bein gibt es auch, das sind die sogenannten Monos, die werden diesen Post nicht lesen :D. Ein Mensch braucht also mindestens drei Dinge im Leben, für die er lebt. Jeder Mensch hat etwas, dass ihn antreibt. Die Streben des Hockers sind die, die uns tragen. Wer will, kann kleine Ziegelsteine auf dem Hocker ergänzen. Die Ziegelsteine symbolisieren das, was einem Schmerzen bereitet. Das können Ängste verschiedenster Art sein. Ich empfehle beim Lebenshocker sich lieber auf das zu konzentrieren, was Kraft gibt. Die Dinge im Leben sind ambivalent, manchmal geben sie Energie, manchmal nehmen sie Energie. Energiefresser oder Pains sind meistens sehr konkret und daher besser in der Painkarte aufgehoben.

2. Lebensrollen:

Ganz witzig: Unser ich setzt sich nach Schulze von Thun aus dem inneren Team zusammen. ca. 16 oder mehr innere Mitglieder, die zusammen unsere Persönlichkeit ergeben. Je nachdem, wer gerade am Ruder ist, verhalten wir uns mal so und mal. Selbst halten wir uns für furchtbar konsistent, das stimmt jedoch nicht. Je nach Rolle oder Rollenbild, das wir annehmen „als Lehrer“, „als Freund“ usw. kommt ein andere Charakterteil an den Drücker in unserem inneren Parlament. Deswegen ist es so wichtig diese verschiedenen Rollen, die man im Leben annimmt zu klären und etwaige Verstrickungen, die garantiert vorhanden sind, zu lösen. Es gibt fixe Rollen und variable Rollen. Unsere Rolle als Sohn/Tochter usw. können wir nicht ablegen. Sie erfordern, je nach Sachlage (Eltern) mehr oder weniger Energie. Wichtig zu identifizieren sind die variablen. (ist auf die Dauer alles variabel?) Die Lebensrollen dürfen auch gern aus Eurem eigen Werteverständnis abgeleitet sein.

3. Die Fremd- und Meins-Karte: Was Tue ich wofür?

Da die Dinge, die wir im Leben tun so schwer fassbar sind, ist in erster Linie zu klären, für wen wir das ganze machen. Die „Meins-Karte“ soll radikal herausstellen, was wirklich Deins ist, wobei Du Dich richtig gut fühlst. Die Meins-Karte bringt Dich dem eigentlichen Sinn weiter. Dinge die uns Fremd sind, die wir trotzdem zu unserem Machen wollen sind interessante Stellen: Sie zeigen Grenzen unserer Komfortzone. Alle Kategorien, die nicht „für mich“ sind, sind spannend. Sie zeigen auf, wo unsere Energie abfließt, wir uns entfremden. Alles, was „meins“ ist, für uns, da sind wir richtig, mehr davon

4. What-for-map:     Timon-Pumba       Corona d'oro      Herz

Eine sinnvolle Unterscheidung wofür Menschen Dinge tun ist:

FUN: Das Bockometer zeigt voll Bock, hier sind wir richtig, mehr davon.

STATUS: Verursacht, durch kulturelle und elterliche Prägung: Gesellschaftliche Anerkennung

NEED: Essen, Trinken, Nähe, Freundschaft, Bewegung, Liebe, Verbindung, Inspiration, Abwechslung, Sicherheit, Unsicherheit, Das Gefühl etwas zu verändern, Das Gefühl einen Beitrag zu etwas größerem zu leisten, Wachstum

Wenn es gut läuft, dann sind die aus denen wir unsere gesellschaftliche Anerkennung beziehen, ebenfalls die, die uns richtig Spaß machen. Was zuerst da war, kann niemand sagen: der Spaß oder die Anerkennung? Fest steht: Menschen folgen anderen Menschen, wenn diese in ihrer Energie sind und eine Klarheit ausstrahlen. Um diese innere Klarheit geht es. „Was Du suchst, ist nicht auf den Gipfeln der Berge, nicht in den Tiefen der Meere, nicht in den Straßen der Städte: es ist in Dir, in Deinem Herzen.“ Unbekannt

5. Die Painkarte eine Pain-Mindmap

In welchen Rollen oder welche Fronten wir Pain haben und wie der aussieht, was uns stört bilden wir in der Painkarte ab.

6. Pain-Solution-Karte: 

An dieser Stelle schreiben wir auf, was die Lösungen für die Pains sind. Klar gibt es Kräfte, die uns von diesen Lösungen abhalten. Das ist egal. Hier kommen die Lösungen rein, die richtig sind. Es kommt nicht auf Durchführbarkeit, sondern auf die Denkbarkeit an. Beobachtet Eure inneren Widerstände, die sich in Euch auftun, während ihr Lösungen frei von allen Bindungen aufschreibt. Das Hilft wiederum andere Pains zu der gefundenen Lösung zu identifizieren. Gefährlich sind Gedanken, die man nicht denkt, da der innere Zensor einem das verwehrt.

Okay, jetzt sind wir bereit eine Lebensverändernde Entscheidung anzugehen. Sie wird garantiert den Großteil eurer Lebenshockerbeine und Lebensrollen betreffen UND sie wird etwas auf der Meins-Fremd-Karte verschieben, hoffnungsvoll einige Pains lösen. Je nachdem, welche Werkzeuge ihr gewählt habt, macht sie die Verschiebung dort bemerkbar. (niemand wählt alle, der Mensch hat eine in der heutigen Zeit „antrainierte“ Aversion gegen die Reise ins ich, das bei sich sein. Dies macht sich in dem Gefühl breit, dass man nicht in die Ecken seines Lebens schauen kann, sondern das Gehirn einem Kurven baut, Stichwort: Kognitive Dissonanz & innerer Zielkonflikt)

Ich empfehle die zu treffende Entscheidung, z.B. studieren in München oder studieren in Berlin? Welchen Master, wo zu studieren, welchen Beruf zu ergreifen, welche Kinder zu zeugen, vorher nach folgenden Kategorien abzuklopfen: CHANGE, was ändert sich. VALUE ADDED was ist jetzt geiler als vorher? Und welche NEW OPPORTUNITIES ergeben sich daraus? Was COSTet mich das Ganze? Was sind die Oportunitätskosten? Was kann ich deswegen nicht machen? Welche Risiken ergeben sich daraus? Bei den Risiken ist es am besten einen RISIKOBAUM zu malen und beim Ausgang der Entscheidung, weitere Schritte zu planen. Beispiel: Ich gründe ein Startup in Hamburg, wohne und studiere selbst in Berlin, wenn das nicht klappt, was dann passiert? Wie hoch ist das Risiko? Was passiert dann? Fest steht: egal, wie ich Euch entscheidet: die Welt dreht sich weiter.


PHASE II: PLAN MACHEN UND LÖSUNGEN VERFEINERN


1. Evaluation Canvas ausfüllen & Lösungen entedecken:A4 Bewerten von Entscheidungen

Ist die Entscheidung wirklich relevant und Lebensverändernd, dann sollen wir unsere Lebensrollen oder unsere Lebenhockerbeine, kurz gesagt, die Dimensionen unseres Lebens nach den oben genannten Kriterien abklopfen.

Bei jeder Entscheidung, entscheidet man sich möglicher Weise auch für einen Pain. Ich persönlich finde die Menschen und die Mentalität der nach Berlin gezogenen (internationalen) Menschen viel cooler, als die von Hamburgern. Würde ich nach Hamburg ziehen, müsste ich ein Workaround (Solution) dafür bauen. Ich könnte ab und zu nach Berlin fahren oder mich in Hamburg in internationalen Kreisen bewegen, die nicht die Hamburg typischen Werte verkörpern, sondern offenherziger sind. So eine Art von Pain oder Angst ergeben sich bei den meisten Entscheidungen.

Ich Empfehle jeden einzelnen Punkt ausführlich mit Freunden zu diskutieren und zu evaluieren. Freunde geben einem Einblicke in die eigenen Ängste und können abschätzen, ob diese wirklich so relevant sind oder ob wir uns den Pain nur einbilden.

Dann die Karte überarbeiten. Dabei stets beobachten, wo ihr Angst habt und wovor.

2. DIE ENTSCHEIDUNG AUSPROBIEREN: BUILD– FEEL- LEARN

Fast der wichtigste Aspekt einer Entscheidung. Entscheidungen, fast jeglicher Art, können in irgendeiner Weise getestet werden. Ein Umzug in eine andere Stadt kann ausprobiert werden durch eine Woche unter „realistischen“ Bedingungen in dieser Stadt. Man kann sich eine Woche frei nehmen und sich alles dort anschauen. Ein Arbeitsplatzwechsel in eine andere Firma kann simuliert werden, in dem man mit diversen Menschen aus dieser Firma einen Kaffee trinken geht. (Dank Xing geht das ja). Ich bin selbst erstaunt, mit wem man alles Mittag essen kann, wenn man nur fragt. Die Menschen sind interessiert, wenn man Sie um Rat fragt. Dabei sind die Eigeninteressen und Außendarstellung des Ratgebers immer zu beachten. Ebenso sollte man sich auf Augenhöhe begegnen, auf keinen Fall darf ein Gefühl von stark und schwach, starker und schwacher Position aufkommen. Egal was ist im Leben: stets auf Augenhöhe bleiben

Nachdem die Entscheidung getestet ist, wir die Evaluation Map wieder überarbeitet und das eingetragen, wo man schlauer geworden ist.

3. SEINEN JIN BEAUFTRAGEN – DARÜBER SCHLAFEN UND INTUITION ENTSCHEIDEN LASSEN
Wir selbst verfügen über ungefähr 1-3% unsere Gehirnprozesse aktiv. Unsere Ratio oder „Vernunft“ ist im Gegensatz zu dem, was Unterbewusstsein kann, ziemlich klein geraten. Genau diese anderen 97% ?????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????wollen wir benutzen, um eine ganzheitliche Entscheidung herbeizuführen. Wie wir welche Lebensbereiche gewichten sollen, wissen wir selbst meist nicht genau (sonst wüssten wir ja was wir wollen?), doch unser Unterbewusstsein weiß es. Deswegen heißt es: diesem aktiv die Aufgabe geben. Man stelle sich vor, jeder von uns hätte einen Jin (-> das Unterbewusstsein) und diesem Jin kann man aufgaben geben und dieser löst sie für einen. Wir selbst lassen uns von den Lösungen überraschen und gucken, was mit uns währenddessen passiert.

Wenn wir das ein paar Tage gemacht haben, stellt stets, wenn wir über die Entscheidung nachdenken ein Gefühl ein. Es ist entweder ein Widerstand, der uns hindert, beispielsweise eine Bewerbung abzuschicken (genau erforschen, was der Widerstand ist, das kann auch Komfortzone oder Angst vor Ablehnung sein) oder man fühlt sich gezogen und der Gedanke an die Möglichkeiten und Freuden überwiegt.

Noch einmal das Evaluation Canvas überarbeiten. Am Schluss eine Bauchentscheidung treffen.

Mit dieser Methode sollte das Risiko einer bösen Überraschung minimiert worden sein. Ihr solltet Euch ziemlich im klaren sein, wofür und wogegen man sich entscheidet, welche Workarounds in kauf genommen werden und warum das alles ziemlich cool wird.

In diesem Sinne: Das höchste Gut ist die innere Einstellung, wir bleiben dran.